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Musizieren mit geistigbehinderten Kindern

Wir bieten an unserer Schule verschiedene musikalische Förderangebote für blinde und sehbehinderte geistigbehinderte und schwerstmehrfachbehinderte Kinder an:
Heilpädagogische Musikerziehung, Rhythmik und den Orff-Instrumentalkreis. Sie sind jeweils sehr individuell auf das einzelne Kind oder die Gruppe abgestimmt. Im Folgenden werden die einzelnen Angebote kurz vorgestellt.

Heilpädagogische Musikerziehung

Diese Förderarbeit ist auf die geistigbehinderten und schwerstmehrfachbehinderten blinden und sehbehinderten Kinder unserer Schule abgestimmt. Durch gezielten Einsatz von verschiedenen Instrumenten, wie Trommel, Becken, Holz- und Metallklangstäben, Klanghölzern, Rasseln und mit dem Einsatz der Klangwiege versuchen wir das Interesse der Kinder zu wecken. Einmal neugierig geworden, sind unsere Schüler bereit, sich auch unter großen Anstrengungen zu bewegen, um selber auf den Instrumenten spielen zu dürfen.
Musik hilft den Kindern, ihre Bewegungsabläufe zu koordinieren. Aber schon das Fühlen und Nachspüren von stark vibrierenden Instrumenten fordert die Kinder zu einer Veränderung gegenüber ihrem sonstigen Verhalten heraus.
Die Musik stellt ein wichtiges Element bei der Aneignung und dem Gebrauch der Sprache dar. Beim Vor- und Mitsingen erleben die Schüler Sprache passiv und aktiv. Sie hören Wörter, die mit einer Melodie verbunden sind. Sie hören einzeln gesprochene Wörter aus ihrem Schulalltag, die sie gerne auch nachsprechen. Im Lied verbinden sich Melodie, Rhythmus und Sprache zu einem Ganzen. Worte lassen sich mit einem Rhythmusmotiv recht leicht wiederholen. Eine Melodie gibt zusätzlich Orientierung und lenkt von der Schwierigkeit mit der Sprache ab. Häufig können die Schüler noch vor einem aktiven Sprachgebrauch bereits Lieder mit differenzierter Sprache singen oder die Texte rhythmisch sprechen.

Rhythmik

Viele Dinge im Leben der Kinder unterliegen einem bestimmten Rhythmus, dem sie unbewusst folgen, wie z. B. Atmung und Gehen. Ist dieser Rhythmus gestört, laufen Entwicklungs- und Lernprozesse nicht altersgemäß ab. Eine altersgemäße Entwicklung kann durch Rhythmik gefördert werden. Sie ist ein Bewegungsangebot, das Musik als ordnendes und strukturierendes Element benutzt.

Durch Rhythmik werden Fähigkeiten wie Orientierung, Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Improvisation und Gemeinschaftssinn entwickelt. Der Schwerpunkt ist hierbei das gemeinsame Tun, wobei aber auch Einzelerfahrungen gemacht werden. Das aktuelle Rhythmikangebot ist auf die schwerstmehrfachbehinderten Kinder unserer Schule abgestimmt. Den inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit bilden Märchen. Die Märchen werden den Kindern erzählt oder vorgelesen. Zu dem jeweiligen Märchen werden gemeinsam Klänge erzeugt, Lieder gesungen und Musik gehört, die die Stimmung des Märchens wiedergeben. Die gehörte Musik soll zum Träumen anregen und Bilder zu den einzelnen Märchen in den Kindern entstehen lassen. Taktile Wahrnehmungsübungen verstärken das inhaltliche Verstehen eines Märchens. Über rhythmisch gesprochene Verse und Lieder werden die Kinder an die Sprache herangeführt und ermutigt, ihre Sprache in den Erzählprozess des Märchens mit einzubringen.
 

Der Orff- Instrumentalkreis

Um möglichst vielen Kindern diese fördernden Eigenschaften der Musik zuteil werden zu lassen, bieten wir im Rahmen eines klassenübergreifenden Unterrichts einen Orff-Kreis für geistigbehinderte und schwerstmehrfachbehinderte Kinder an. Die Kinder haben hier die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen zu musizieren und die Freude am Gruppenmusizieren zu erleben. Außerdem spüren und hören sie diese selbstgemachte Musik sofort und können darauf reagieren.
Musiziert wird vor allem auf Trommeln, mit Klanghölzern, Rasseln, Glocken und Klangstäben. Natürlich werden auch immer wieder die Körperinstrumente eingesetzt. Wir treffen uns einmal in der Woche. Der Verlauf dieser Stunde ist ritualisiert. Das Becken klingt jeweils zuerst für alle im Raum und begrüßt dann noch einmal jedes Kind mit Namen. Dann folgt die Einspielphase. Viele einfache und komplizierte Rhythmen werden an dieser Stelle unabhängig von einem Musikstück geübt. Der Wechsel der Rhythmen erfolgt über Signale.

Die einzelnen Notenwerte werden über die Fortbewegungsarten erarbeitet: Gehen (Viertelnote), Laufen (Achtelnote), Schleichen (halbe Note), Ruhen (ganze Note) und Rennen (Sechszehntelnote). Diese werden in der Fortbewegung geübt, indem sich die Kinder zu kleinen Sprüchen im Tempo des entsprechenden Notenwertes durch den Raum bewegen. Können die Kinder die Bewegung nicht selbst ausführen, werden sie im Rollstuhl durch den Raum geschoben. So bekommen sie einen Eindruck von der Dauer der verschiedenen Notenwerte. Ihnen wird dann aber auf jeden Fall der Notenwert, später der Rhythmus durch klatschen, patschen, tupfen... über den Körper vermittelt. Schwierige Rhythmen werden über Wortbeispiele eingeführt, die thematisch den Schülern vertraut sind. Erste Rhythmen werden mit den Namen der Schüler verbunden, rhythmisch vor- und nachgesprochen und gespielt. Aus den Namen der Kinder entstehen kleine Lieder, die mit einfachen Rhythmen begleitet werden. Lieder mit entsprechenden Aufforderungen, das z. B. ein Instrument oder eine Instrumentengruppe spielen soll, werden gesungen. Ausgehend von diesen kleinen Spielen und Übungen wird der Schwierigkeitsgrad langsam gesteigert, bis dann endlich die ersten kleinen Stücke oder Liedbegleitungen gespielt werden können. Der Orff-Kreis beteiligt sich an der Gestaltung der Schulfeste. Zu diesen Gelegenheiten studieren der Chor, die Tanzgruppe und der Orff-Kreis auch immer wieder gemeinsam Tänze und Lieder ein und bringen diese zur Aufführung.

©Johann August Zeune Schule